Berufsverbote

„In wie weit die ganze Entwicklung eines Kindes gehemmt wird, dem man dauernd seine jüdische Abstammung vorwirft und dessen Ernährer man nicht arbeiten läßt, möchte ich demokratischen Richtern überlassen.“                                                         
Heinz Stiehl, 20.2.1967 (HHStAW 45301) 

Die NS-Gesetzgebung

1933 wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten bereits am 7. April 1933 das Berufsbeamtengesetz (BBG) erlassen. Es erlaubte, Beamte mit jüdischer Glaubensrichtung aus ihrem Dienst zu entfernen. Andere wurden erst gar nicht weiter beschäftigt. Die Konsequenzen dieser Gesetzgebung und Entrechtungspolitik sind generationenübergreifend. Heinz Stiehl formuliert dies in seinem Antrag auf Entschädigung: „Wenn mein Sohn das Abitur hat, wird es mir nicht möglich sein, ihn studieren zu lassen. Wird aber der Sohn eines ehemaligen HJ-Führers, dessen Vater Ortsgruppenleiter war, ebenfalls nicht studieren können?  Das ist für mich die Frage. Deshalb mein Antrag. Hier sehe ich ein Unrecht.“ Heinz Stiehl, Sohn von Nathan Landauer, 20. 02. 1967 (HHStAW 45301).

In der Heinrichstraße 3 befand sich der letzte selbstgewählte Wohnort des Ehepaars Emil und Gertrud Gutenstein. Hier verlegte der Arbeitskreis Stolpersteine zum Gedenken an das ihnen widerfahrene Unrecht die Stolpersteine. (siehe zu Emil Gutenstein auch Jutta Reuss/ Dorothee Hoppe: Stolpersteine in Darmstadt (2013))

Wie Landgerichtsrat Dr. Callmann wurde auch der Stadtsekretär Emil Gutenstein aufgrund der NS-Gesetzgebung vorzeitig in den „Ruhestand versetzt“ und damit aus dem Berufsleben verdrängt. Er muss unter der Aufsicht von Friedrich Späth Zwangsarbeiten leisten, wird aufgrund der ihm widerfahrenen Erpressungen im Juli 1940 in Schutzhaft genommen, in dem Prozess gegen Späth am 23. Dezember 1940 mitverurteilt, erneut in Schutzhaft genommen und im April 1941 in KZ Dachau deportiert und im KZ Buchenwald ermordet.


 

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